09.01.2010 – Buenos Aires / Argentinien – Angekommen!
„Sag mal, woher kommst du denn? Du sprichst ja ein bisschen mit spanischem Akzent.“ Ja, das kommt mir doch sehr bekannt vor, klingt man doch ein wenig anders als die Eingeborenen. Ich nehme es aber gern zur Kenntnis und es stachelt an, noch mehr den Spanier raushängen zu lassen. Hehe!
Aber fangen wir am Anfang an. Zu Zeiten der Finanzkrise muss man natürlich auch mal an die liebe Wirtschaft denken. Darum flog ich diesmal mit der deutschen Lufthansa nach Buenos Aires. Nach 13 Stunden landete ich dann in der argentinischen Hauptstadt. Obwohl das Flugzeug wohl schon einige Jahre auf dem Buckel hat, und es ab und an gewaltig rüttelte, hatte ich gar keine Angst und war ganz tapfer. Vielleicht gewöhne ich mich auf meine alten Tage doch noch an das Fliegen. Bin ja so furchtlos! Am Abend wurde schnell in ein geselliges Hostel eingecheckt und die Ankunft von Steve und Vicki erwartet.
Am 2. Tag stießen die beiden dann hinzu, die ich ja aus der geliebten Heimat kenne. Da wir 3 auch schon alte argentinische Hasen sind, konnten wir es beim Sightseeing also ruhig angehen lassen. Dennoch dackelten wir brav zum Obelisk auf der ‚Plaza de la Republica‘, der ‚Casa Rosada‘, wo einst Evita Peron ihre flammenden Reden hielt, besuchten den ‚Puerto Madero‘ sowie die Viertel‚San Telmo‘, ‚La Boca‘ und ‚Palermo‘. Voll toll! Besonders gefiel mir dabei eine Tango Vorführung, die wir an einer Plaza bestaunen konnten. Also wenn man das kann, dann klappts auch mit der Nachbarin!
Ansonsten verbrachten wir die Zeit natürlich mit Fleischessen. Das ‚Bife de Chorizo‘ ist entfernt mit dem deutschen Beefsteak verwandt, die deutsche, bzw. engl. Version, kann dabei aber noch so einiges in Sachen Größe und Geschmack lernen. Hier ist es einfach größer, besser, lecker. Mjam!
Abschließend besichtigten wir noch die ‚Bonbonera‘, das Stadion der Boca Juniors, dem wohl bekanntesten argentinischen Fußballklubs. Hier trieb einst Diego Maradona sein Unwesen, als er noch unter 80 Kilo wog. Mit meiner Fussballkompetenz stieß ich hier jedoch auf Gegenwind. Als ich ein Foto mit der ‚Copa de Libertadores‘ (dem südamerikanischen Äquivalent der Champions League) verweigerte, wurde ich eine Diskussion verwickelt. Boca Juniors wäre wohl total toll, da die den Weltpokal schon 3 Mal oder so gewonnen haben, der glorreiche BVB aber nur einmal. Meine Versuche zu erklären, dass der Ball in Europa ein bisschen schneller rollt, schlugen fehl. Mit unseren 3 WM Titeln wollte ich aber auch nicht angeben. Naja, egal, war trotzdem lustig!
Nach 2 Tagen hieß es ‚Adios‘ Buenos Aires, denn es ging nach Cordoba. Na, wem sagt das was?
11.01.09 – Cordoba / Argentinien – ‚ I werd narrisch‘
Die älteren Leser werden bei diesem Städtchen an die WM 1978 und die ‚Schande von Cordoba‘ zurückdenken. Damals besiegte unser Fussballnachbar Österreich die deutsche Mannschaft mit 3-2 und sorgte somit für einen Tiefpunkt in der deutschen Fussballhistorie. Der Kommentator kreischte damals ‚I werd narrisch‘ ins unschuldige Mikrofon. Naja, ist jetzt schon so lange her und sowie verjährt.
Cordoba ist heute die Heimat meines geschätzten und ehemaligen Studienkameraden Steve, der mich hier in die Geheimnisse des argentinischen Daseins einführte. Mate trinken (argentinischer Tee) und jede Menge Fleisch essen gehören da natürlich zu den Basics. In der 2. Disziplin bin ich auch schon ganz gut. Cordoba hat aber auch ein paar nette Ecken zu bieten, die ich natürlich ausgiebigst besuchen wollte. Einige sehr schöne Kirchen aus der Kolonialzeit und die ‚Plaza San Martín‘, wo stets Jubel, Trubel, Heiterkeit herrscht, nahm ich selbstverständlich unter die Lupe. Samstags treffen sich hier zum Beispiel die Einheimischen und tanzen fleißig Tango um die Wette. Ja, das Leben kann so schön sein.
Am 2. Tag ging es dann in die argentinischen Sierras, d.h. in die umliegenden Berge. Dabei kreuzten wir den Weg einer kleinen Fiesta, wobei ein paar Gauchos (argentinische Cowboys) ihr Können unter Beweis stellten. Reiten und Kühe fangen sowie (hauptsächlich) Fleisch essen gehört natürlich dazu und bei sowas lässt man sich nicht zweimal bitten. Den Rest des Tages verbrachten wir am Ufer eines Flusses, den die Argentinier gern zum Baden aufsuchen.
Am darauffolgenden Tag besuchte ich das Städtchen ‚Alta Gracia‘, wo sich das einstige Haus der Familie Guevara de la Serna befindet. Hier verbrachte der kleine Ernesto, der später zum legendären ‚Che Guevara‘ wurde seine Jugend und entwickelte seine ersten revolutionären Ideen. Zu bewundern gab es die Räume der Familie, sowie das Motorrad mit dem sich der ‚Che‘ auf seine 2. Südamerikareise aufmachte. Fidel Castro und Hugo Chavez waren auch schon hier.
Ein weiteres Highlight dieses Aufenthaltes in Cordoba war dann am Abend der Asado. Ein ‚Asado‘ ist ein argentinischer Grillabend, bei dem überraschenderweise das argentinische Rindfleisch im Mittelpunkt steht. Steve und ich machten uns dafür zum örtlichen Markt auf um insgesamt 4 Kg Fleisch zu erwerben. Rippchen, verschiedene Schnitte, Würstchen und auch einen halben Meter Dünndarm konnten wir dafür aus deutscher Sicht sehr günstig erwerben. Salat haben wir zwar auch gekauft, haben den aber natürlich nicht gegessen. Der ist ja nur Beilage, damit alles etwas schöner aussieht und würde nur unnötig Platz wegnehmen. Ansonsten sind die Abläufe wie altbekannt, die Kohle wird ordentlich angeheizt und das Fleisch aufgelegt. Ist alles schön rosa gegart, wird das zarte Fleisch der Reihe nach verspeist. Köstlich! Einführend gab es ‚Morcilla‘, eine argentinische Blutwurst die eigentlich sehr gut schmeckte. Dies kostete zwar etwas Überwindung, aber was kann man dafür, wenn einem sowas 29 Jahre vorenthalten wurde. Der Dünndarm erinnerte etwas an Kaugummi, der Rest war aber köstlich. Danke für diese authentische Erfahrung!
Dann hieß es Abschied nehmen, denn es ging Richtung Mendoza, das das Tor zu den Anden ist.
15.01.09 – Mendoza / Argentinien – Das Dach Amerikas
Das nette Städtchen Mendoza ist das Tor zu den argentinischen Anden und dient als Ausgangspunkt für verschiedene Touren wie Rafting, Kayaking oder Trekking. Obligatorisch ist jedoch der Besuch des naheliegenden ‚ Aconcagua Nationalparks ‘, welcher den gleichnamigen Berg beherbergt.
In Mendoza angekommen, stärkte ich mich zunächst mit einem ‚Bife de Chorizo‘. Die Maße dieses Prachtstückes waren wie folgt: 15 cm lang, 10 cm tief und 10 cm hoch. Sah also beinah wie ein Würfel aus und wer möchte, kann das Volumen ausrechnen. Ob man es glaubt oder nicht, ich konnte es nicht aufessen. Schlimm, schlimm! Stark gestärkt ging es dann am Abend auf einer Pizza/Tequila-Party in meinem Hostel weiter. Gefeiert wurde dann bis4 Uhr nachts, dann packte mich jedoch die Vernunft und ich gönnte mir eine Mütze Schlaf, da es am Folgetag um 7.30 Uhr in Richtung ‚Aconcagua Nationalpark‘ ging. Zumindest den Fuß des Berges galt es zu erklimmen. Mit lediglich 3,5 Stunden Schlaf, einem halben Kilo Fleisch, einem Kilo Pizza, 2 Litern Bier und 2 Tequilas im Magen, bzw. Blut, ging es dann also los. Zum Glück waren die Mitreisenden ähnlich stark gehandicapt, sodass die Stimmung erst langsam in Wallung kam. Mit meinem spanischen Akzent beeindruckte ich noch schnell 3 Argentinierinnen, die mir auf dem Ausflug ein wenig Unterhaltung verschaffen sollten. Que bueno!
An den ersten Teil der Fahrt, bzw. des Ausfluges kann ich mich aufgrund der eben genannten mangelhaften Vorbereitung nicht erinnern, nach dem Trekking zum Aconcagua wurde es aber besser. Dazu ging es ca. 2 Stunden durch die Walachei, vorbei an kleinen Bergseen und bunten Bergblümchen. In der Ferne thronte stolz der Aconcagua mit seinen 6962 Metern. Damit ist dieser Berg der höchste Südamerikas und der höchste außerhalb Asiens. Schnee und Gletscher überziehen die Spitze, die zudem in dichten Wolken gehüllt war. Fantastisch!
Unser großartiger Guide hielt die Stimmung stets hoch, unterhielt er uns doch mit tollen Anekdoten und Quizzen. Aber auch der lustigste Ausflug geht einmal vorbei. Abend konnte ich überraschenderweise sofort einschlafen.
Adios Argentina (zumindest für eine Weile!) und Buenos Dias Chile!
17.01.09 – Santiago de Chile / Chile - Momente des Glücks!
Die Einreise nach Chile hätte ich mir dann doch etwas leichter vorgestellt. Aus 5 Stunden Busfahrt wurden dann plötzlich 9. Dabei verbrachten wir 4 Stunden an der chilenischen Grenze, teilweise wartend, teilweise in einer ziemlich peniblen Kontrolle. Dabei mussten Formulare ausgefüllt werden, die dann akribisch kontrolliert wurden. Tja, und eine Gruppe von Brasilianern holte sich gleich einen schönen Anschiss ab, da sie ihre Namen doch tatsächlich an der falschen Stelle eingetragen hatten. Nach 2 Stunden Kontrolle und genauer Durchleuchtung unseres Gepäcks wurden weder Drogen noch Nahrungsmittel (darf man nicht einführen) gefunden und die Reise nach Santiago de Chile konnte fortgesetzt werden.
Angekommen, wurde ich von Angela und Cristobal in Empfang genommen, die ich vor 2 Jahren in Rio de Janeiro kennenlernte. Und wenn die Südamerikaner eines sind, dann gastfreundlich. Demnach bekam ich ein eigenes Zimmerchen im neuen Apartment. Leider entfleuchte etwas Luft aus meiner Gästematratze, sodass ich zwar auf einem guten Untergrund einschlief, aber auf dem harten Boden erwachte. Ich glaube, davon bekommt man Rücken. Aber zurück zu meiner Ankunft. Nach einer schnellen Dusche begann dann der Marathon. Da die Familien hier in der Regel etwas größer sind (ca. 5 Kinder, 30 Cousins), finden auch dementsprechend viele Familienfeiern statt. So auch hier. Am Wochenende tingelten wir von einem Geburtstag zum nächsten. Als Exot aus dem fernen Europa steht man da natürlich gern im Mittelpunkt und lässt sich geduldig ausfragen.
Am nächsten Tag ging es dann zum obligatorischen Stadtrundgang, wobei man zunächst die Stadt vom ‚Cerro San Cristobal‘ überblickt. Dabei genießt man in der Regel einen ‚Mote con Huesillo‘, eine lokale Köstlichkeit, welche etwas merkwürdig aussieht, aber sehr gut schmeckt. Dabei handelt es sich um einen süß eingelegten Pfirsich, der mit Saft und Graupen in Form einer Kaltschale serviert wird. Das ganze wird kalt verkauft und wirkt somit recht erfrischend in der Hitze Santiagos. Lecker! Später ging ich auf einen Stadtrundgang, auf dem ich die wichtigsten Punkte wie die ‚Plaza de Armas‘ und die ‚Plaza de la Constitucion‘ abklapperte. Abschließend besuchte ich die ‚Moneda‘, den Präsidentenpalast, der 1973 Schauplatz des blutigen Staatsstreiches war, bei sich Salvador Allende anscheinend das Leben nahm. Ab März wird dort der Präsident Sebastian Pineira die Geschicke des Landes leiten, denn dieser gewann am Sonntag die Wahl. Ich konnte Zeitzeuge, dieses historischen Momentes werden. Glückwunsch an den Gewinner!
Am Samstag ging es dann weiter mit familiären Verpflichtungen meiner chilenischen Freunde. Ich als Schwiegermuttertyp sollte dabei auch der ein oder anderen Cousine vorgestellt werden. Sehr nett, gefunkt hat es aber nicht! Omas und Opas wurden auch besucht, wobei mir der Opa erzählte, dass die deutschen Kanonen von Krupp im Krieg mit Peru sehr gut waren und den Sieg einleiteten. Na, das hört man doch gern, ein zufriedener Kunde ist ein guter Kunde!
19.01.09 – Valparaiso / Chile – von Hügel zu Hügel
Nach einem kurzen Abstecher nach ‚Vina del Mar‘, dem beliebtesten Strandort der Chilenen und einem erholsamen Tag in der heißen Sonne Chiles, fuhr ich nach Valparaiso, einer Hafenstadt, die zum Weltkulturerbe zählt. Nicht umsonst halten dort diverse Kreuzfahrtschiffe.
Die Stadt ist auf mehreren Hügeln errichtet und die Häuser ziehen sich wie ein dichter Teppich über die Landstriche. Bis zum Bau des Panamakanals blühte diese Stadt, da alle Schiffe hier Halt machen mussten, verlor dann aber aus dem eben genannten Grund an Wichtigkeit. Anfangs war ich doch etwas von den rauen Ecken der Stadt abgeschreckt, nach einem kurzen Stadtbummel änderte sich dies aber schnell. Die verschiedenen Hügel erklimmt man mit Hilfe verschiedener Zahnradbahnen. Hat man dann aber einen dieser Hügel erklommen, so bietet sich ein toller Blick über Stadt und Hafen. Die engen Gassen und rustikalen Häuser laden zu einem weiteren Rundgang ein und so schlängelt man sich durch die malerischen Gassen und Gänge Valparaisos.
Nach der Besichtigung der Stadt von oben erkundet man den Hafen am besten auf einer der angebotenen Hafentouren. Dafür ging es mit einem kleinen Motorboot zwischen den Ozeanriesen hindurch, vorbei an den Schiffen der chilenischen Marine und Fischerbooten. Ab und an grüßte nett ein Seehund. So viel frische Meerluft macht natürlich auch hungrig, darum gönnte ich mir abschließend eine ‚Paila Marina‘, einen lokalen Eintopf aus Meeresfrüchten. Lecker, lecker!
Danach ging es dann zurück nach Santiago um die Tasche zu packen, denn mein Bus nach Concepcion wartete schon.
22.01.09 – Concepcion / Chile – Mölle, Mucki und ich
Mit dem Bus ging es dann 6 Stunden nach Concepcion. Es ist schon witzig, wie sich das Zeitempfinden hier so ändert. 6 Stunden Busfahrt kommen einem gar nicht mehr lang vor, eigentlich erscheinen sie sogar sehr kurz. Früher war eine Reise nach Berlin lang, so kann sich das ändern. Nicht so schön war der Waldbrand, der am Wegesrand hierher loderte. Kommt hier wohl aber leider ab und an vor.
In Concepcion angekommen, begrüßten mich dann Steve (der Mucki) und Sebastian (der Mölle), meine geschätzten Studienkameraden. Sebastian ist seit 2 Jahren in ‚Conce‘, wie es auch genannt wird, an der Uni als Dozent tätig, bringt den Studenten unsere geliebte Muttersprache bei und hält somit die deutsche Fahne ganz besonders hoch. Zur Begrüßung gab es ‚Pisco Sour‘, ein besonders alkoholhaltiges Erfrischungsgetränk. War dann aber doch eine Nummer zu stark, sodass ich nach 27% des Getränks passen musste.
Am Tag nach der Ankunft besuchten wir die Stadt und Mölle in seiner Universität. Später stieß dann noch Eva-Maria hinzu, die unser Patagonien-Quartett vervollständigt. Am Abend musste dann noch die Route durch die wilden Berge Chiles und Argentiniens bestimmt werden, was aber überraschenderweise recht harmonisch und schnell erfolgte. Das eigentliche Abenteuer ‚Patagonien‘ kann also beginnen.
Aber jetzt kommt’s. Seit meiner Ankunft hier in Conce hat die Erde (wenn auch nur geringfügig) gleich zweimal gebebt. Das erste Mal befand ich mich im Bus, habe somit gar nichts mitbekommen. Beim zweiten Mal schlummerte ich brav meinen Mittagsschlaf, erwachte kurz, war aber nicht sicher ob es sich um einen Traum oder Wirklichkeit handelte. War aber wohl wirklich so. Den Chilenen zufolge passiert das hier jeden Monat und ist somit normal. Des Weiteren sagt man ‚lieber ein paar kleine Erdstöße als einen Großen‘. Nun gut, da wir bald gen Süden aufbrechen, hoffe ich dass wir hier keinen mehr erfahren werden.
24.01.09 – Concepcion / Chile – Es lo que hay!
‘Es lo que hay’ bedeutet so viel wie ‘da kann man nichts machen’ oder ‚so ist es nun mal’. Manchmal passieren Dinge im Leben, die man einfach so hinnehmen muss, die aber auch nicht immer schlecht sein müssen. Aber fangen wir mal wieder am Anfang an.
Die Route war besprochen, die Ausrüstung gepackt, die Versicherung für das Auto abgeschlossen, der 90-Liter-Tank gefüllt. Es konnte also losgehen, sollte man denken. Die erste Etappe von Concepcion nach San Martin de los Andes in Argentinien würde 8 Stunden Autofahrt dauern. Darum wollte ich in den frühen Morgenstunden aufbrechen, um auch im Tageslicht anzukommen und das neu erworbene Zelt richtig aufstellen zu können. Bei Unstimmigkeiten wollten wir 4 abstimmen, wobei Sebastians Stimme als Autobesitzer bei Gleichstand entscheiden sollte. Anstatt also früh abzufahren, entschied die Mehrheit der Gruppe am Abend zuvor auszugehen. Außerdem wurde, trotz meines Vetos, entschieden, sich die Kante zu geben und bis 5 Uhr morgens zu feiern. Am nächsten Tag schliefen wir bis 11 Uhr, und nach einem ausgiebigen Frühstück und dem Verstauen des Gepäcks konnten wir die Reise dann um 12.30 Uhr antreten. Tja, ich hätte das anders gemacht, aber das ist nun mal der Nachteil in der Demokratie.
12.30 Uhr ging es dann also los. Der Wagen rollte und wir waren frohen Mutes, das Abenteuer Patagonien nun zu beginnen. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nach ca. 1 Stunde und lediglich 80 km (ca. 0,76 % der geplanten Gesamtstrecke) wurde unsere Vorfreude durch eine Rauchentwicklung im Cockpit des Fahrzeugs arg ausgebremst. Gott sei Dank gibt es in Chile auch einen Standstreifen, welchen wir gleich ausprobierten. UnserMitsubishi Pajero hatte uns also gleich auf den ersten Metern im Stich gelassen. Das Wort ‚Pajero‘ hat im Spanischen übrigens eine etwas vulgäre Bedeutung. Wer möchte, kann ein Wörterbuch zur Hilfe holen. Es hat etwas mit Masturbation zu tun, aber das nur als kleiner Tipp am Rande.
Auf jeden Fall standen wir da nun vor den Toren der Stadt, in der heißen Sonne Chiles und ohne vernünftige Ozonschicht. Sebastian kontaktierte jedoch sofort den Mechaniker seines Vertrauens, Lucho, der sich auch relativ schnell auf die Socken machte, um uns abzuschleppen. Böse Zungen behaupten, er hätte den Anruf bereits erwartet. 2 Stunden verharrten wir nun in der Hitze und verwendeten unser einziges Wasser, um einen Tereré (Yerba Mate mit kaltem Fruchtsaft aufgegossen) anzurichten. Zunächst entschieden wir, dass Mölles Stimmmehrheit keinen Bestand mehr hat, und dass er erst mal gar keine Stimme mehr hat. Steve versuchte mit seinem Schlafsack einen Sonnenschutz zu errichten, hat aber nicht funktioniert. Dennoch lobe ich diesen feinen Einsatz. Sollte es hart auf hart kommen, hat Steve definitiv den stärksten Überlebenswillen und wird sich als letzter aufgeben. Ich machte währenddessen noch ein Foto meines Reiseplüschtieres Bob, wie es entsetzt in den Motor starrte. So viel Zeit muss schließlich sein, hatten wir ja auch zuhauf. Nach einem Waldbrand, 2 Erdbeben nun also ein kaputtes Auto. Aber wie gesagt, ‚es lo que hay‘.
Irgendwann kam dann auch Lucho vorbei, um unser Vehikel abzuschleppen. Der Mechanikerbrachte noch 2 Freundinnen mit, mit denen Steve und ich uns nett auf der Heimfahrt unterhalten konnten. Mir wurde getrocknetes Pferdefleisch untergejubelt, das hatte noch gefehlt. Essend und quatschend bemerkten wirgar nicht, dass das Abschleppseil gerissen war und wir ohne unseren Mitsubishi (inklusive Mölle und Eva) weiterfuhren. Irgendwann haben wir es dann aber doch bemerkt und sind natürlich umgekehrt, obwohl wir kurz die Idee hatten, einfach mit Lucho und den beiden Hasen nach Patagonien zu fahren und Mölle und Eva zurückzulassen. Luchos Auto war top, und die Rucksäcke hatten wir auch an Bord. Blieb aber nur eine Idee.
Lucho und seine 2 Damen wollten uns dann auch noch den ‚Salto de Laja‘, den größten Wasserfall Chiles, zeigen.Also steuerten wir den trotz des kleinen Zeitfensters und dem Mitsubishi im Schlepptau auch noch an. Einfach unglaublich! Das war dann selbst mir zu viel und am liebsten hätte ich mich den Wasserfallhinabgestürzt, habe es aufgrund der Menschenmassen aber nicht hinauf geschafft. Aber auch dieser Tag ging einmal vorbei und wir würden die Reise also am Folgetag mit dem Bus antreten.
26.01.09 – Villa Rica / Chile – Am Fuße des Vulkans
Bei unserer Rückkehr nach Concepcion (kann jetzt sagen, dass ich schon 2 Mal in Concepcion war), eilten wir also schnell zum Busbahnhof um den Nachtbus noch zu erreichen. Aber auch dabei war uns an diesem Tage das Glück nicht hold. Der Bus war natürlich ausgebucht und wir mussten einen weiteren Tag in Conce verharren. Wir kehrten also zu Mölles Bude zurück und nahmen am Folgetag einen neuen Anlauf, der auch funktionierte.
Auf dem Weg nach San Martin mussten wir in ‚Villa Rica‘, einem verschlafenen kleinen Nest am Fuße des gleichnamigen Vulkans Halt machen und übernachten. Wir checkten in einer Cabana, einem lokalen Bungalow ein. Das Städtchen ist überaus ansehnlich und der Vulkan mit der Schneekuppel lässt wirklich jede (evt. noch vorhandene) schlechte Laune verschwinden. In erster Linie machte der ‚Villa Rica‘ Vulkan aber Lust auf mehr und Steve und ich beschlossen, den nächstbesten Vulkan auch zu besteigen. Jawoll!
Am nächsten Morgen rauchte der Vulkan dann friedlich vor sich hin, wussten wir doch, dass dieser noch aktiv war. Da wir nun aber schon einem Waldbrand entronnen waren und 2 Mini-Erdbeben miterleben durften, war es ganz gut, die Reise fortzusetzen.
27.01.09 – San Martin de los Andes / Argentinien – Die Glorreichen (Argentinischen) Sieben
Wenn ein Wolf im Wald einem Wolf begegnet, denkt der: „ist bestimmt ein Wolf“. Wenn aber ein Mensch im Wald einem Mensch begegnet, denkt der: „ ist bestimmt ein Mörder“. So beschrieb Kollege Stromberg einst das Büroleben und an der Aussage ist sicherlich ein wenig Wahrheit dran. Darum bestand ich auf das Campen an einem befestigten Camping Platz und nicht in der freien und wilden Natur. So geschah es dann auch.
‚San Martin de los Andes‘ ist das Tor nach Patagonien. Es wird bergig, man sichtet Wanderer, Bergsteiger und die Preise für Unterkünfte, Nahrung und Exkursionen schießen in die Höhe. Südlich der Stadt erstreckt sich ein Seengebiet, die ‚Siete Lagos‘ (Sieben Seen). Sie sind von malerischen Bergen umgeben, die vom mächtigen ‚Lanin‘ Vulkan überragt werden. Einfach traumhaft! Da dieser Vulkan die 3000 Meter Grenze übersteigt und von einer Gletscherkuppel überzogen ist, sahen wir dann doch von einer Besteigung ab. Aber dennächsten Vulkan würden wir auf jeden Fall besteigen um einen Ring reinzuwerfen!
In San Martin angekommen, bauten wir unser neu erworbenes Zelt in Windeseile auf und freuten uns, dass es nun endlich losgehen konnte. Da sich die Autoproblematik erledigt hatte, und wir mit dem Bus reisten, stieß Steves Freundin Vicki zu uns, die auch in unserem Zelt zwischen uns, sozusagen als weiblicher Schutzwall, schlafen sollte. Also der Steve ist ein echter Kumpel.
Sebastian zauberte uns einen köstlichen Eintopf, dann ging es zu Bett, denn am nächsten Tag wollten wir einen Berg besteigen, um die ‚Siete Lagos‘ zu überblicken. Aber auch hier war uns das Glück wieder nicht hold. Der Bus zu diesem Berg war leider ausgebucht und unser Eifer wurde erneut gestoppt. Alternativ wagten wir einen Ausritt in argentinischer Gaucho Manier. Auf einer Ranch bestieg dazu jeder einen Vierbeiner, eine Argentinierin und unser Gaucho-Guide Juan komplettierten also die Glorreichen Argentinischen Sieben. Ich wählte unerschrocken natürlich das größte Pferdchen aus. IhrName war ‚Callejera‘ und nach kurzer Beschnüfflungsphase waren wir ein Herz und eine Seele. Vorwärts- und Rückwärtsgang waren auch schnell gefunden, mit dem Lenken sollte es auch bald klappen. Dann ging es durch Büsche und auf Berge, wir kreuzten Bäche und meisterten den ein oder anderen Bergpfad. Ach ich wäre sicherlich ein toller Cowboy geworden!
Am Folgetag sollte dann der Bergaufstieg erneut in Angriff genommen werden. Leider wurde ich am Vorabend von einer Durchfallattacke geplagt, sodass ich von dieser Exkursion absah. Jedoch konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen, dass sich dieses Handicap zu einem Vorteil entwickeln sollte. Als ich die mutigen Bergsteiger gut erholt und frisch geduscht am Abend in Empfang nahm, wurde klar, dass dieser Aufstieg doch etwas härter als erwartet ausgefallen war. Zu allem Überfluss wurde der Gipfel auch nicht erreicht, da man irgendwo falsch ‚abgebogen‘ war. Den Angriff eines Bullen konnten aber alle Wanderer unbeschadet überstehen.
Morgen geht es weiter nach San Carlos de Bariloche.
29.01.09 – Bariloche / Argentinien – Im Frühtau zu Berge
Mit dem Bus ging es also von ‚San Martin‘ entlang der ‚Siete Lagos‘ nach Bariloche. Dabei musste bereits die eine oder andere Schotterpiste bewältigt werden, obwohl wir dies doch erst später erwartet hatten.
Bariloche liegt am ‚Lago Nahuel Huapi‘ und ist von einem fantastischen Bergprofil umgeben. Der ‚Parque Nacional Nahuel Huapi‘ schließt sich an die Stadt an und bietet wunderbare Möglichkeiten zum Wandern, Trekken, Raften, Mountainbiken usw. Steve und ich machten uns auf, den ‚Cerro Lopez‘ zu erklimmen. Die anderen Gefährten entschlossen sich, diesen Tag zu Hause zu bleiben und ihre Wunden zu lecken. War doch die vorige Wanderodyssee sehr anstrengend gewesen. Also waren wir lediglich zu zweit und kamen somit relativ schnell voran. Nach 2,5 Stunden kamen wir dann am Refugium an und wurden mit einem fantastischen Blick auf die ‚Siete Lagos‘ belohnt.
Da Bariloche bekannt für sein ausschweifendes Nachtleben ist, mussten wir als vorbildliche Touristen selbstverständlich auch dies austesten und eine Diskothek bis in die frühen Morgenstunden in Augenschein nehmen. Eine ausgiebige Probe des (alkoholischen) Getränkeangebots gehörte natürlich auch dazu. Wenn, dann richtig!
02.02.09 – unterwegs /Argentinien – Die Gefährten
Nach 2 Tagen in Bariloche hieß es auch dort Abschied nehmen, denn es ging weiter nach ‚El Calafate‘, zu einem meiner persönlichen Reise-Highlights. Dafür ging es mit dem Bus 29 Stunden durch das argentinische Nirgendwo. Dabei dämmerte dem ein oder anderen noch einmal, was uns mit Mölles Mitsubishi Pajero und unserem Zelt noch so alles erwartet hätte. Au Backe!
Aber mal was Anderes. Das Buch ‚Herr der Ringe‘ handelt von ein paar Gefährten, die im Land Mittelerde so einige waghalsige Abenteuer bestehen müssen, um am Ende einen Ring in einen Vulkan zu werfen. Zwar werde ich, in Ushuaia angekommen, keinen Ring in einen Vulkankrater werfen, dennoch erinnert diese Reise samt ihrer Umgebung doch sehr an diese Geschichte. Verfilmt wurde das Buch bekanntermaßen in Neuseeland, man hätte es aber auch in Argentinien drehen können, denn die Landschaft gibt alles her, was man sich vorstellen kann. Aus diesem Grund waren die 29 Stunden Busfahrt bei weitem nicht so anstrengend, wie sie sich anhören. Zwar lenkte uns das Bordkino mit Jim Carreys Film ‚Der Ja-Sager‘ (urkomisch, total empfehlenswert) anfangs noch etwas von der tollen Aussicht ab, danach konnte man seinen Blick aber kaum von der tollen Natur lassen. Zu Beginn überquerten wir die grüne Berglandschaft der ‚Siete Lagos‘, später durchkreuzten wir die unendlich lang erscheinenden Weiden und fanden uns später in einer Wüstenlandschaft wieder. Guanacos (liebe Verwandte der Lamas) und Yandus (straußähnliche Vögelchen) zierten dabei den Weg und der Sonnenuntergang (auch wenn es etwas warm klingt) war total schööööön!
So kamen die ‚Patagonischen Herr der Ringe Gefährten‘ Sebastian (Legolas), Eva-Maria (Galadriel) und ich (Frodo) nach 29stündiger Busfahrt in ‚El Calafate‘ an. Zwei unserer Gefährten, Steve (Gimli) und Vicki (Sam) änderten aufgrund einer Visumsproblematik leider ihre Route und steuerten ein anderes Ziel an. Schade, schade!
03.02.09 – El Calafate / Argentinien – Gletscherspaziergang
‚El Calafate‘ ist ein verschlafendes Nest am Rande der Anden und der Ausgangspunkt zu einem der Highlights Südamerikas. Nur wenige Kilometer entfernt erstreckt sich majestätisch im ‚Parque Nacional de los Glaciares‘ der 30 km lange und 5 km breite ‚Perito Moreno‘ Gletscher, eine unglaubliche Sehenswürdigkeit und ein absolutes Muss für jeden Südamerika-Reisenden.
Nur wenige Gletscher auf der Welt sind so geschäftig wie der blau schimmernde ‚Perito Moreno‘. Der gezackte Eisstrom ist 60 Meter hoch, verbirgt weitere 120 Meter im See. Er gehört zu den stabilsten Gletschern weltweit und rückt täglich bis zu 2 Meter vor.
Da die Gefährten Legolas und Galadriel die Hosen voll hatten, musste der mutige Frodo den Gletscher allein erklimmen. Unerschrocken und ohne Angst vor Gollum, den schwarzen Reitern und Waldemor (glaube, das war ein anderes Buch) machte sich der kleine, aber dennoch gutaussehende und schlaue Frodo (also ich) auf den Weg.
Dazu schloss ich mich einer Reisegruppe weiterer todesmutiger Wanderer an. Am Fuße des Gletschers begann das Abenteuer, und wir wurden mit pickeligen Steigeisen versehen, damit auch keiner abrutscht und wie der weltbekannte Ötzi für ein paar Tausend Jahre in einer Gletscherspalte verschwindet. Das wäre natürlich nicht so schön gewesen und hätte der guten Stimmung Abbruch getan. Mit der neuen Wanderausrüstung ging es dann im Pinguingang und stampfend (um stets guten Halt zu haben) Stück für Stück den gewaltigen Gletscher empor. 2 Stunden wanderten wir durch die weiße Hölle, bis wir plötzlich an einen Tisch gelangten, auf dem Whisky stand. Klingt verrückt, war aber so. In Mittelerde passierten schließlich auch ab und an merkwürdige Dinge. Unser Guide bat mich, Eis für den Whisky zu besorgen und übergab mir einen Eispickel. Dies war einfach, waren wir doch von Eis umgeben. Also schlug ich mit Hilfe des Werkzeugs ein paar Eisbrocken aus dem Gletscher, unser Guide verteilte es auf die Gläser und wir konnten auf eine erfolgreiche Gletscherwanderung anstoßen. Vom Whisky aufgewärmt war der Abstieg ein Kinderspiel.
Danach ging es mit dem Boot zur Nordseite, wo man die ganze Pracht und Größe des ‚Perito Moreno‘ von vorn und oben betrachten konnte. Mit etwas Geduld und ein wenig Glück wurde man Zeuge einesfantastischen Naturschauspiels. Gelegentlich kalbt der Gletscher, d.h. es brechen riesige Stück aus dem Eis und krachen unter ohrenbetäubendem Lärm in das Wasser, wobei riesige Fontänen entstehen. Muss man gesehen und vor allem gehört haben.
04.02.2010 – Puerto Natales / Chile – druch die Torres
Ja, auch unser treuer Gefährte Legolas alias Mölle alias Sebastian musste uns verlassen, rief ihn doch die studentische Pflicht zurück ins heimische Concepcion. Somit kamen Eva-Maria und ich nach lediglich 5 Stunden Busfahrt in Puerto Natales allein an. Dieses nette Städtchen liegt am Fuße der berühmten ‚Torres del Paine‘, einem riesigen Gebirgsmassiv. Dazu hieß es mal wieder ‚Adios Argentina‘ und ‚Hola Chile‘. Die Grenzüberquerung nach Chile in dieser Region ist aber äußerst unproblematisch. Die ‚Torres del Paine‘ stellen für meine letzte Gefährtin den Höhepunkt und das Reiseziel unserer kleinen Odyssee dar, wollte sie doch hier 7 Tage trekken gehen und praktisch jeden Stein dieses Gebirges eigenhändig umdrehen.
Die ‚Torres del Paine‘ gleichen ein paar Granitnadeln, die stolze 3000 Meter in den Himmel ragen. Plötzliche Regengüsse und Windböen, die einen umhauen gehören zum Begrüßungsritual. Da ich mir diesen Extremspaß keine 7 Tage antun wollte, entschied ich, die wichtigsten Punkte in einer Ein-Tages-Tour zu erkunden. Ja, das war schon sehr beeindruckend, was man da zu sehen bekam. Die steilen Wände des Gebirges sind nicht von schlechten Eltern.
Mit einer netten Reisegruppe tingelten wir also die schönsten Aussichtspunkte des Gebirges an. In einem Mini-Trek gesellten sich einige Guanacos zu uns, sowie ein Fuchs, der stolz vor der Kamera posierte. Na da lässt man sich nicht zweimal bitten und knipst drauf los.
Nach einem langen Tag und atemberaubenden Fotos konnte ich auch diesen Ort abschließen. Puerto Natales und die Torres sind somit auch Endstation der Gefährten, den nun werde ich, wie gesagt, die Reise ans Ende der Welt allein fortsetzen.
06.02.2010 – Punta Arenas / Chile – an der Magellan-Straße
Punta Arenas befindet sich an der berühmten Magellan-Straße. Hier segelte 1520 der portugiesische Seefahrer Magellan unter spanischer Flagge, um den Seeweg nach Indien zu erkunden und den Gewürzhandel anzukurbeln. Als er die Inseln des Feuerlandes passierte, sahen seine Seeleute die Feuer der Indianerstämme brennen. Daraufhin nannten sie die unheimlichen Inseln Feuerland.
In der Magellan-Straße haben es sich Pinguine und Seelöwen gemütlich gemacht, die man auch im Rahmen eines Bootsausfluges besuchen kann. Leider hat meine Gastmutti da etwas verschlafen, somit fiel dieser Ausflug etwas spärlich aus. Aber in Ushuaia werde ich einen neuen Anlauf nehmen.
Übrigens, der Sohn meiner Gastmami arbeitet als Zahnarzt und Buenos Aires. Nun darf geraten werden, wer zu seinen berühmtesten Patienten gehört. Genau, unser aller Diego Armando Maradona. Hätte es nicht geglaubt, aber habe ein Foto der beiden auf der Kommode gesehen. Unglaublich aber wahr, der gute Diego lässt seine Zähne doch tatsächlich von einem Chilenen pflegen. Aussagen der Mama zufolge, hat Diego sehr gute Beißerchen und ist auch immer ganz tapfer. Na immerhin!
10.02.2010 - Ushuaia / Argentinien – am Ende der Welt
Nach meinem etwas verunglückten Besuch einer Pinguinkolonie in Punta Arenas ging es mal wieder über die Grenze, zurück ins geliebte Argentinien. Die letzte Patagonienetappe sollte mal wieder etwas länger und anstrengender werden. Die 12 Stunden Busfahrt zehrten am Ende dann doch etwas an den Kräften.
Ushuaia befindet sich buchstäblich am Ende der Welt. Danach kommt nicht mehr viel, eigentlich nur noch die Antarktis. Ushuaia ist die südlichste Stadt der Welt, alles was danach kommt sind nur noch Forschungsstationen im (hoffentlich) ewigen Eis. Ushuaia ist die Hauptstadt der Provinz ‚Tierra del Fuego‘, dem Feuerland, und bedeutet in der Sprache der Aymana ‚Bucht, in der die Sonne aufgeht‘. Dieses nette Städtchen am ‚Beagle Kanal‘ liegt nun tatsächlich auf der anderen Seite der Welt. Im Grunde laufe ich hier den ganzen Tag mit dem Kopf nach unten, was mich anfangs auch etwas nervös machte. Merkt man aber gar nicht! Eigentlich ist es einzig und allein der Erdanziehungskraft zu verdanken, dass ich hier nicht von der Erdkugel abstürze. Führt man sich das auf einem Globus vor Augen (Siehe Fotos), wird einem das Ausmaß dieses Aufenthaltes erst klar.
Aber zunächst noch etwas Geschichtliches. Feuerland wurde einst von Indianerstämmen besiedelt. Im Laufe der Kolonisierung wurden diese aber beinah ausgerottet. Die Eingeborenen gingen trotz der großen Kälte stets nackt und wärmten sich daraufhin am Feuer auf, im Rahmen der Kolonisierung und Missionierung wurden sie aber dazu angehalten, Kleidung zu tragen. Da diese aufgrund des Klimas jedoch immer nass war, erkrankten die Eingeborenen. Weitere eingeschleppte Krankheiten erledigten den Rest und trugen zur beinah völligen Ausrottung der Feuerland-Indianer bei. Ende des 19. Jahrhunderts schipperte dann der junge Charles Darwin an Bord der ‚Beagle‘ entlang des Feuerlandes und sammelte Erkenntnisse für seine später veröffentlichte Evolutionstheorie. Auf verschiedenen Landgängen bewanderte er verschiedene Inseln und besuchte Pinguin- und Seelöwenkolonien. Aus diesem Grund ist die Wasserstraße nach dem Forschungsschiff, und die Inseln und Berge nach Darwin und seinen Forschungskollegen benannt.
Um es dem jungen Visionär Darwin gleich zu tun, bestieg ich also ebenfalls ein Forschungsschiff, um den ‚Beagle Kanal‘ zu erkunden. Ok, war vielleicht kein Forschungsschiff, hätte aber eines sein können. Dafür ließen wir die Stadt hinter uns und nahmen Kurs gen Osten. Wir besuchten eine Insel, die als Brutstätte für Kormorane dient, passierten eine weitere Insel auf der sich Seelöwen aalten, bzw. um den besten Platz stritten und konnten einen alten Leuchtturm bewundern, der einst den Seefahrern den Weg wies. Wir passierten zudem ‚Puerto Williams‘, dem wirklich allerletzten Dorf vor dem Südpol. Dort wohnt die letzte noch lebende Aymana-Eingeborene. Sie ist heute über 80 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Das Ziel des Ausfluges war eine Pinguinkolonie, wo sich hunderte dieser reizenden Geschöpfe aufhielten und dem Pinguin-Dasein frönten. Dieses besteht in der Regel aus Rumstehen und ab und an Schwimmen gehen. War aber trotzdem schön, den sympathischen Tierchen zuzuschauen. Das eigentliche Highlight bei diesem Ausflug war aber die Bootsfahrt entlang des Kanals. In Ushuaia ändert sich das Wetter stündlich und auf strahlendem Sonnenschein kann plötzlich ein kaltes Gewitter folgen. Dies konnte man hier genau beobachten. Sieht man einer Stelle strahlend blauen Himmel, braut sich anderswo ein Gewitter zusammen und an einem weiteren Ort verhüllen dunkle Wolken eine Gebirgskette. Dies erzeugt ein faszinierendes Farbenspiel, was die Blicke wirklich fesselt - einfach faszinierend. Wer hätte das gedacht.
Zu meiner Freude fand ich in meiner Unterkunft ein paar neue Gefährten die sich mir anschlossen. Die furchtlose Liset aus Holland (Deutschland und Holland, es geht also doch) und die unerschrockenen David und Esther aus Spanien (endlich kann man mal wieder ordentliches Spanisch sprechen) schlossen sich mir an, bzw. umgekehrt. Zusammen erklommen wir den ‚Glaciar Martial‘, einen weiteren Gletscher, von dem man einen tollen Blick auf die Stadt Ushuaia hat. Dazu wanderten wir also den Berg empor, bis wir die Schneegrenze erreichten. Belohnt wurden wir, wie gesagt, mit einem tollen Ausblick auf die Stadt und den Beagle Kanal.
Nach 2,5 Wochen Patagonien und rauem Wetter kann ich etwas Hitze gut vertragen. Mit dem Flugzeug geht es weiter über Buenos Aires nach Iguazu, um die unglaublichen Wasserfälle zu besuchen.
12.02.09 – Puerto Iguazu / Argentinien – Die Macht des Wassers
2007 besuchte ich die mächtigen Wasserfälle des Iguazu das erste Mal. Diese Visite war so beeindruckend, dass ich dies unbedingt wiederholen wollte. Die Reise von Ushuaia, der äußersten Südspitze, nach Iguazu, der Grenze im Norden Argentiniens war mal wieder sehr zeitintensiv. 4 Stunden ging es mit dem Flieger um 23 Uhr nach Buenos Aires, dort hatte ich weiter 5 Stunden Aufenthalt bis mein 2. Flieger mich innerhalb von 2 Stunden nach Puerto Iguazu brachte.
Die mächtigen Wasserfälle stellen die Grenze zwischen Brasilien und Argentinien dar und sind somit von beiden Seiten zu erreichen. Die verschiedenen Fälle stürzen teilweise 60 Meter und unter ohrenbetäubendem Lärm in die Tiefe. Der Höhepunkt ist der so genannte Teufelsschlund (Garganta del Diablo), der größte und mächtigste Bereich der Fälle. Iguazu ist ohne Zweifel eines der Highlights Südamerikas und ein absolutes Muss bei einem Besuch.
Am ersten Tag ging es zunächst zur argentinischen Seite, wobei mir gleich auffiel, dass sie dieses Mal anders aussahen. Der Wasserstand war bei diesem Besuch eindeutig höher, selbst kleine Wasserfälle verwandelten sich dabei in reißende Ströme. Aber das macht auch den Reiz dieses Ortes aus, er ist jedes Mal anders. Neben den Wasserfällen konnte ich eine tolle Fauna erspähen. Nasenbären, die langsam aber sich zu einer Plage werden, Mülltonnen erklimmen und diese leeren oder dem ein oder anderen Touristen das Essen klauen. Zudem ließen sich verschiedenste Schmetterlinge, Schildkröten und Vögel blicken. Zu meiner Entzückung konnte ich auch einen Schwarm von Tucanen entdecken, die in den Baumkronen saßen.
Am 2. Tag fuhr ich mit dem Bus nach Brasilien, ins benachbarte ‚Foz do Iguacu‘. Von der brasilianischen Seite sind die Fälle dann noch einmal ihrer ganzen Pracht zu bewundern. Auch der zweite Besuch war die Reise wert und auch ein dritter und vierter Abstecher zu den Fällen lohnt sich auf jeden Fall.
Mit dem Bus geht es ca. 24 Stunden heiter weiter nach Salta und weitere 8 zur bolivianischen Grenze. Da kommt doch Freude auf!
16.02.2010 – Salta / Argentinien – Que viva Salta la linda!
Eigentlich sollte Salta gar keinen Reisebericht wert sein, sondern lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg ins benachbarte Bolivien werden. Jedoch überschlugen sich die Ereignisse, sodass dieser Artikel durchaus Sinn macht. Wie gesagt ging es zunächst 24 Stunden von Iguazu nach Salta. Klingt erst mal wieder nach einer Tortur, ging aber. Im Bus lernte ich ein paar nette Israelis kennen, die mir ein wenig Hebräisch beibrachten. ‚Hallo, wie geht’s?‘ heißt ‚Schalom, Maschlomcha?‘ ‚Danke, gut‘ antwortet man mit ‚Tof Toda‘. Einfach, oder? ‚Yesh Lach Einam Yafut‘ heißt ‚Du hast schöne Augen‘ und ‚Brit Mila‘ bedeutet ‚Ich bin beschnitten‘. Na damit kommt man doch erst mal ganz gut voran. Des Weiteren weiß ich jetzt alles über jüdische Essgewohnheiten und Feierlichkeiten. Hat sich also gelohnt.
In Salta hatte ich 12 Stunden Aufenthalt, die ich zu einem Stadtrundgang und einem Zahnarztbesuch nutzte. War mir doch zuvor eine Füllung herausgefallen. Um dieses Missgeschick vergessen zu machen, suchte ich also die Praxis von Dr. Arturo Lopez auf, der mich auch nett und ohne Hinzufügen von Schmerzen verarzte. Zunächst war ich zwar noch etwas skeptisch als er zu meiner herausgefallenen Füllung meinte ‚Sowas hab ich noch nie gesehen‘, als er mein Zahnloch aber erstklassig verschloss, verflog mein Misstrauen doch im Handumdrehen. Ja, also auch das war mal wieder eine interessante Erfahrung.
Aber das war nichts verglichen mit dem was jetzt kommt. Bei meinem Stadtrundgang traf ich zufällig (!!!) einen alten Studienkameraden. Ob man es glaubt oder nicht! Zwar traute ich zunächst meinen müden Augen nicht, es war aber wirklich so. Der gute Christian hat unserer geliebten Heimat den Rücken gekehrt und lebt jetzt glücklich und verheiratet in Salta, im fernen Argentinien. Zufälle gibt’s manchmal, das ist schon unheimlich.
Ja und dann war es also weit. Ich wusste, dass dieser Moment irgendwann kommen würde, aber als er dann kam, war es schon komisch. Da ich kurz davor stand, mein geliebtes Argentinien zu verlassen, war es an der Zeit das letzte argentinische Rindersteak zu essen. Genüsslich verschlang ich nun meine vorerst letzten 350 Gramm Prachtfleisch. Ach, das Leben kann schon hart sein! Nach einem ereignisreichen Tag in Salta, ging es also weiter zur bolivianischen Grenze.
In den frühen Morgenstunden kamen wir dann dort an, die Grenze musste zu Fuß überquert werden, danach ging es mit dem nächsten Bus weiter nach Uyuni. Diese Fahrt sollte weitere 8 Stunden in Anspruch nehmen. Dabei ging es buchstäblich durchs nirgendwo, man überquerte Bergpässe, passierte Schluchten und durchquerte einen Fluss. Da dieser anfangs zu hoch und reißend erschien, mussten wir eine Stunde ausharren bis sich unser Busfahrer dazu durchrang, in einem Schwung samt Passagieren durch die reißenden Fluten zu fahren. Unglaublich!
18.02.2010 – Uyuni / Bolivien – Dünne Luft
Bolivien ist ein Land der Superlative. Es ist eines der höchsten, eines der heißesten und gleichzeitig eines der kältesten weltweit. Bolivien ist windig, schwül, heiß, feucht, trocken, salzreich, sumpfig und noch vieles mehr. Es ist zudem eines der ärmsten Länder weltweit und sehr schwer zugänglich. Bolivien bietet so ziemlich alles - außer Stränden, denn der Meereszugang ging im Krieg mit Chile verloren. Weiter Kriege verlor man gegen Paraguay und Brasilien und büßte wertvolle Gebiete voller Bodenschätze ein. Das nagt noch immer an der bolivianischen Seele und die Beziehungen zu den Nachbarn sind weiterhin angespannt. 60% der Bevölkerung sind rein indigener Abstammung und die wirtschaftliche und politische Situation ist weiterhin unsicher. Streiteren gibt es auch innerhalb des Landes zwischen der ‚armen‘ östlichen und ‚reichen‘ westlichen Region. Sofern man diese Unterteilung so nennen kann. Dennoch haben Traveller dieses fantastische Land für sich entdeckt und reisen von Salzebene zu Salzebene und Bergspitze zu Bergspitze. So auch ich!
Dass Reisen in Bolivien etwas länger dauert und meistens etwas anstrengender ist, hatte ich ja schon gehört, ich sollte es aber auch gleich auf den ersten Kilometern erfahren. Die Reise nach Uyuni war durchaus abenteuerlich und mühsam. Asphaltierte Straßen sind in Bolivien Mangelware und in den Bergen undenkbar. Somit wurden wir Reisenden auf der 9stündigen Fahrt mächtig durchgeschüttelt. An Schlaf war natürlich nicht zu denken und nur meinem ausgezeichneten, in Asien abgehärteten Magen war es zu verdanken, dass ich die Fahrt unbeschadet und ohne Kotztüte überstehen konnte.
Uyuni ist ein Städtchen im Süden Boliviens und liegt in 3600 Meter Höhe. Das erschreckt erst einmal ganz schön und das auch zu Recht. Macht sich doch in dieser Höhe gelegentlich die Höhenkrankheit bemerkbar. Außer ein paar Kopfschmerzen am ersten Tag konnte ich aber über nichts klagen. Von Uyuni aus fährt man in die unglaubliche Natur Boliviens und besucht noch unglaublichere Orte. Dazu buchte ich eine 3tägige Tour, die auch gleich am ersten Tag nach meiner Ankunft beginnen sollte. Insgesamt waren wir eine Reisegruppe von 6 Leuten, einem bolivianischen Pärchen (Namen unbekannt), Elenor und Jade aus London, Valerie aus Holland und ich. Hinzu stieß noch unser einheimischer Fahrer (Name unbekannt). Alle stellten sich irgendwie vor und begannen munter nach Herkunft und Reiseziel zu fragen, aber unsere bolivianischen Freunde partizipierten an diesen Gesprächen recht wenig. Schnell merkte man, dass die Bolivianer im Gegenzug zu den Argentiniern und Chilenen etwas verschlossener und weniger gesprächig erschienen, war es doch etwas komplizierter, das Eis zu brechen. Hmm… Anders bei den beiden Engländerinnen (glaubten mir übrigens nicht, dass Machu Picchu geschlossen ist und sind der festen Überzeugung, dass sie Anfang März da mit der Bahn hinauf fahren) und der schönen Valerie aus Amsterdam. Vergessen wir Toske von DSDS, Linda de Mol und Silvie van der Vaart, denn Valerie ist definitiv ‚Hollands next Topmodel‘.
Nun fuhren wir 6 plus Guide also los und machten zunächst am ‚Friedhof der Eisenbahnen‘, einer Müllhalde für Lokomotiven, halt. Nun gut, kann man sich angucken, muss man aber nicht. Danach ging es Schnurstraks in die ‚Salar de Uyuni‘. Diese Salzwüste war einst ein Binnenmeer. Als es austrocknete, blieb eine Wüste mit einer dickenSalzkruste zurück. Auch das glaubten mir unsere englischen Nachbarinnen (beide 19) übrigens nicht, ihrer Meinung nach war das wohl schon immer eine Salzwüste. Naja, die Jugend von heute, nur Flausen im Kopf und keinen Respekt vor dem Alter… Nach der Ankunft besuchten wir ein Hotel, das voll und ganz aus Salz gebaut wurde, danach nahmen wir Kurs auf die Insel ‚Incahuati‘. Dort machten wir unsere Mittagspause und nahmen Lamafleisch zu uns. Hätte ich gewusst, was es ist, hätte ich evt. gezögert. Es hat aber durchaus gemundet. Von der Insel, die aus Felsen besteht und mit riesigen Kakteen übersät ist, hatte meinen einen unglaublichen Ausblick auf die endlos erscheinende Salzwüste. In der Ferne verursachten Spiegelungen auf dem weißen Grund optische Täuschungen. Berge schwebten wie Ufos und wir erschienen mal gigantisch und mal so winzig wie Thomas Häßler. Dies kann man auch auf meinen Fotos bestaunen. Nach einem spannenden Tag schlugen wir unser Lager in einem kleinen Dorf in den Bergen, in einer wirklich sehr sporadischen Unterkunft, auf.
Am 2. Tag besuchten wir mehrere Lagunen, die durch den Anteil von Mineralien in verschiedenen Farben erleuchten. Dazu tummelten sich in der ‚Laguna Verde, ‚Laguna Colorada‘ und ‚Laguna Blanca‘ verschiedene Flamingos, die hier den Tag mit der Nahrungssuche verbringen. Laut unseres schweigsamen Guides (Name weiterhin unbekannt) erscheinen die Lagunen besonders im Winter in prächtigen Farben, da herrschen hier aber bis zu -30 Grad Celsius. Nun gut, dann lieber im Sommer mit etwas weniger Farbe. Auf unserer Reise passierten wir zudem verschiedene Vulkane, die unseren Weg säumten. Einige waren aktiv und rauchten friedlich vor sich hin. Nach mehreren Naturkatastrophen (Taifun in Asien, Waldbrand und Erdbeben in Chile, schwere Regenfälle in Machu Picchu) blieb mir ein Ausbruch hier aber zum Glück erspart.
Am Abend lernten wir in unserer Unterkunft eine weitere Reisegruppe kennen, bestehend aus 3 Brasilianern und 3 Holländern. Da unsere Unterkünfte sehr abgeschieden lagen und wenig Komfort und Unterhaltungsmöglichkeiten hergaben, verbrachte man den Abend mit eifrigem Kartenspielen. Im Eifer des Gefechts, d.h. bei Jubelarien nach Siegen, bei verbalen Ausrastern nach Niederlagen und dem vollen Einsatz während des Spiels merkte man dann doch, dass man sich auf 4000 Meter Höhe befand und die Luft etwas dünner ist. Selbst bei einem Kartenspiel sollte man es also ruhig angehen lassen. Jedoch packte mich der Ehrgeiz, musste ich doch um jeden Preis der Welt unsere Nachbarn aus Holland und England, sowie den ewigen Rivalen Brasilien schlagen, um Wembley 66 und Tokio 2002 zu rächen. Gegen Holland brauchte man keine Wiedergutmachung, ist trotzdem schön, es denen zu zeigen. Unterbrochen wurde das Kartenspiel durch eine Stichflamme, die beinah unseren brasilianischen Spaßvogel Julio verbrannte, als unsere verrückte Gastmutti den Gasofen anzündete. Die 2 Meter lange Stichflamme schrammte haarscharf an Julios Haarpracht vorbei. Die Gastmutter lachte sich kaputt, ich glaube das ist ihre einzige wirkliche Freude und sie macht das jeden Tag. Schlimm, schlimm…
Am 3. Tag hieß es dann früh aufstehen, denn um 4.30 Uhr klingelte der Wecker. Im Schutze der Dunkelheit ging es auf 5000 Meter Höhe (!!!) zu Vulkankratern und Geysiren. Das flößt dann doch einen gewissen Respekt ein. Da standen wir nun vor (wenn auch kleinen) Vulkankratern und sahen das flüssige Gestein darin vor sich hin brodeln. Gruselig! An anderen Stellen stießen Dampfwolken aus dem Boden und verzogen sich in der Atmosphäre. Hab natürlich todesmutig in den Krater fotografiert. Dann ging es weiter und es folgte ein kleines persönliches Highlight, nämlich ein Bad in einer warmen Vulkanquelle. Die Temperatur betrug 35 Grad Celsius und fühlte sich in der kalten und rauen Umgebung toll an. Im Hintergrund erstreckte sich eine weitere Lagune, in der sich Flamingos und andere Vögel an der Wärme erfreuten.
Da saß ich nun in der warmen Quelle mit den 3 Holländern und 3 Brasilianern und wir warteten, dass Valerie im Bikini-Outfit endlich zu uns stoßen würde. Schon in Heidi Klums Sendung ‚Germanys next Topmodel‘ war die Bikini-Disziplin schließlich vorentscheidend. Bei uns gab es aus allen 3 Ländern eine glatte 10,0.Zu Recht erntete ich Neid aus dem niederländischen und brasilianischen Lager, da Miss Holland die 3 Tage in meiner Reisegruppe mitreiste. Hehe…. Nach dem Bad machte sich ein seltsames Wohlbefinden breit, denn die Wärme klebte praktisch am eigenen Körper und man fühlte sich beinah neugeboren. Dieses Erlebnis war definitiv anders und erholsamer als ein Bad in der eigenen Badewanne. Liegt bestimmt am vulkanischen Ursprung.
Daraufhin ging es geschlagene 7 Stunden zurück nach Uyuni. Das waren dann doch äußerst lange 7 Mal 60 Minuten und man war froh, als man wieder am Anfangspunkt ankam. Wieder einmal ist es erstaunlich, wie man diese Wahnsinnsdistanzen so wegsteckt. Man stelle sich eine Reise von dieser Dauer in Deutschland vor, erscheint fast unmöglich. Angekommen, verschwand unserer bolivianisches Paar (Namen weiterhin unbekannt) heimlich und ohne sich zu verabschieden. Lediglich unser schweigsamer Guide (Name weiterhin unbekannt) war etwas aufgetaut und freute sich über ein Trinkgeld. Es geht doch!
In Uyuni besorgte ich mein Ticket nach Sucre, der Hauptstadt Boliviens.
24.02.2010 - Sucre / Bolivien - Süß wie Zucker!
Weiße Kolonialbauten, eine malerische Plaza, prunkvolle Torbögen, zahlreiche Kirchen und malerische Aussichten - das ist Sucre. Bei so viel Schönheit überrascht es nicht, dass die UNESCO diese Stadt zum Weltkulturerbe erklärte und trotz dem Sucre in den letzten Jahren sprunghaft gewachsen ist, hat sich der Stadtkern eine behagliche Atmosphäre und ein fantastisches Stadtbild erhalten. Hört man den Namen Sucre, denkt man vielleicht nicht an General Sucre, sondern an Zucker, das ist auch nicht schwer, denn diese Stadt ist einfach zuckersüß.
Der Mittelpunkt ist auch hier der zentrale Platz, die ‚Plaza 25 de Mayo‘. Sie ist mit Blumen geschmückt und von Restaurants und indigenen Märkten umgeben. Die ‚Surenos‘ (Einwohner Sucres) sind stolze Leute und davon überzeugt, dass das Herz Boliviens in Sucre schlägt. Zwar ist der Regierungssitz mittlerweise nach La Paz verlegt und der politische Mittelpunkt somit entrissen worden, jedoch ist Sucre noch immer die Hauptstadt Boliviens. 1538 gründeten die Spanier die Stadt unter dem Namen ‚La Plata‘ und machten sie zur Hauptstadt der Provinz ‚Charcas‘. Als man 1776 die Verwaltungsgebiete neu aufteilte, wurde die Stadt in ‚Charaquisaca‘ umbenannt. Hier wurde 1825 die Unabhängigkeit ausgerufen, und das neue entstandene Land nach seinem Befreier Simon Bolivar benannt. Einige Jahre später wurde die Hauptstadt zu Ehren des Befreier Boliviens ‚General Antonio Jose de Sucre‘, umbenannt.
Auf dem Weg nach Sucre durchfuhren wir Potosi, die weltweit am höchsten gelegene Stadt. Potosi befindet sich auf 4060 Meter Höhe und wurde zu Zeiten des Silberrausch gegründet. Das Stadtbild ist erschreckend und heute werden die Mienen zum Mineralabbau verwendet. Diese kann man auch besuchen, dies wollte ich mir aber schenken. Dennoch habe ich nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, auch die am höchsten gelegene Stadt bereist. Na wenn das nichts ist!
Nach einigen extrem langen und unbequemen Reisen, einem tollen aber auch sehr anstrengenden 3tages Ausflug in Uyuni kam mir Sucre gerade recht, um ein paar Tage einfach nur auszuspannen. Demnach wollte ich ausnahmsweise nichts erleben, kein Museum besuchen und keine Nacht zum Tage machen. So geschah es dann auch! Spaziergänge durch die malerischen Straßen Sucres, Kaffee und Kuchen und den Cafes der Stadt und die ein oder andere Siesta im Hostel sollten mir neue Energie verschaffen. Leider waren meine bolivianischen Hostel-Hausherren nicht gerade umgänglich und alles andere als gastfreundlich. Anscheinend ist bei den Einheimischen noch nicht angekommen, dass die Gringos nicht mehr kommen, um etwas mitzunehmen, sondern um etwas dazulassen. Das ist Schade und ich hoffe, dass dies nur Ausnahmen waren und ich noch vom Gegenteil überzeugt werde.
Am 3. Tag meines Aufenthaltes besuchte ich das Dinosauriertal ‚Cal Orcko‘. Die Hauptdarsteller haben hier vor Millionen von Jahren ihre Fußspuren im Boden hinterlassen und somit kann man diese nun wie auf dem Hollywood Boulevard bewundern. Leider waren die Spuren, die entlang einer Felswand verlaufen so weit weg, dass mein keine richtige Vorstellung von Größe der bis zu 80 cm großen Stapfen bekam. Dennoch konnte man erahnen, wie die netten Urriesen hier einst ihre Runden drehten. Auf diesem Ausflug lernte ich Julio, einen Peruaner aus Lima sowie 2 nette Argentinierinnen kennen. Mit Julio werde ich mich auf jeden Fall in Lima verabreden. Wir wollen dort zusammen ein Meerschweinchen essen gehen, aber dazu später mehr.
Sucre ist wirklich eine Reise wert und der perfekte Ort, um ein paar Tage auszuspannen. Aber auch dieser Besuch geht nun zu Ende und es geht nach La Paz.
26.02.2010 - La Paz / Bolivien - hoch, höher, am höchsten
Der erste Anblick von La Paz ist atemberaubend. Die Stadt fließt wie ein Teppich über einen Berghang und scheint unendlich. Kilometerlang erstrecken sich die mit roten Backsteinen gebauten Häuser im Schachbrettmuster über das ganze Tal hinweg. Über allem, wenn nicht gerade in Wolken gehüllt, thront der schneebedeckte Illumani mit über 6400 Metern. 1548 wurde La Paz zu Zeiten des Goldfiebers gegründet, dieses ebbte zwar schnell ab, doch die günstige Lage lies La Paz rasant wachsen.
Verlaufen kann man sich hier zwar nicht, aber dafür kommt man schnell aus der Puste. Stellen die bergig verlaufenden Straßen und die Höhenlage der Stadt (3660 Meter) doch ein erhebliches Problem dar. Beim obligatorischen Stadtrundgang beschränkt man sich dabei doch schnell auf die wichtigsten Punkte. Um die ‘Plaza Murillo’ erstrecken sich der ‘Palacio Legislativo’ und der ‘Palacio Presidencial’ sowie die Kathedrale von 1835. Unweit davon erstreckt sich der ‘Hexenmarkt’, der ‘Mercado de Hechería’. Dort gibt es neben traditionellen bunten Taschen, Kleidern und aus Alpaka-Wolle gestrickten warmen Pullovern auch allerhand dubiose Dinge zu kaufen. Dazu gehören z.B. getrocknete Lama-Pfoten, getrocknete Lama-Embryonen und getrocknete Lama-Kälber. Nur getrocknete ausgewachsene Lamas konnte ich nicht erspähen. Diese doch etwas gewöhnungsbedürftigen Souvenirs sollen als Opfergaben für die liebe Mutter-Erde dienen. Ich habe mich dann doch lieber auf Kühlschrankmagneten als Mitbringsel beschränkt. Auf den bunten Märkten der Stadt sieht man zudem die vielen traditionell gekleideten Aymara und Quechua Damen, die nach wie vor ins Auge fallen. Die farbigen Kleider, der große Rucksack und der für das europäische Auge seltsam erscheinende Hut möchten einen wirklich permanent darauf los fotografieren lassen. Aber das gefällt den Einheimischen gar nicht und man zieht ganz schnell böse Blicke auf sich. Ich habe es aber trotzdem gemacht!
Bewunderung erntete meinerseits das weichliche Geschlecht aus unserer europäischen Heimat. Es ist schon bemerkenswert, welche Fähigkeiten die Frau als solche im Shopping-Rausch entwickelt. Auf den indigenen Märkten wird darauf los gekauft, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Handtaschen, Brustbeutel, Ponchos, Pullover, Jacken, Portemonnaies oder Mützen aus bunten Stoffen oder Alpakawolle, ganz egal, alles wird rücksichtslos eingekauft. Erkennen wird man diese Gestalten in Deutschland daran, dass sie wie jüngere Mitglieder der Kelly-Familie aussehen. Schrecklich!
Am Nachmittag nach meiner Ankunft fuhr ich mit dem öffentlichen Minibus zu den schroffen Felsformationen des ’Valle de la Luna’ - dem ‘Mondtal’. Am Folgetag besuchte ich die bedeutendste archäologische Ausgrabungsstätte des Landes - Tiahuanaco. Diese antike Stadt entstand bereits um 600 vor Christus und hielt sich bis 1200 nach Christus. Somit ist dieser Ort älter als jegliches Inka-Bauwerk. Zugegeben gaben die Ruinen nicht allzu viel her, aber unser Guide war eine absolute Fachfrau auf ihrem Gebiet und überzeugte mit interessanten Geschichten über diese versunkene Zivilisation. Das Volk, das südlich des Titikakasees lebte ist wenig bekannt, Zeugnisse für ihre Einflüsse auf das später entstandene Inkareich entdeckte man aber im gesamten Bereich des Inkagebietes. Über die Stätte verstreut fand man bis 175 Tonnen schwere Monolithen sowie die Ruine einer Pyramide und die Reste einer Plattform, die für Rituale diente. Aus der Tiahuanaco-Kultur heraus entstand die Aymara und Inka-Kultur, allein das war Grund genug für einen Besuch!
2 Tage in La Paz waren dann genug, mir war es recht dem Lärm und Smog der Großstadt zu entfliehen und mich in Richtung des Titikakasees auf den Weg zu machen!
27.02.2010 - Copacabana / Bolivien - nicht ganz die Copacabana Brasiliens!
Von La Paz ging es schnurstracks Richtung Copacabana, einem verschlafenen Nest am Rande des Titikakasees. Um den See ranken verschiedene Geschichten. Anscheinend ist es der höchste schiffbare See der Erde, in Peru und Chile gibt es wohl aber Seen, die Titikaka den Rang ablaufen. Wie dem auch sei, er ist sehr hoch gelegen, nämlich in 3820 Meter. Mit einer Länge von 230 km und einer Breite von 97 km ist er auf jeden Fall riesig und bildet die Grenze zwischen Peru und Bolivien. Die im See liegende ‘Isla del Sol’ ist die Wiege der Inka-Kultur und allein deswegen ein absolutes Muss für jeden Abenteuerreisenden wie mich!
Auf der Busfahrt traf ich Mark aus Liverpool in England wieder, den ich in Iguazu kennengelernt und in Sucre erneut getroffen hatte. Zufälle gibt es manchmal - verrückt, verrückt! Zudem lernte ich Anna aus Frankfurt und die zwei netten Kanadier Bre und Cole kennen, mit denen ich die nächsten Tage verbringen sollte.
Von Copacabana aus besucht man die Insel ‘Isla del Sol’, aber zunächst galt es den ‘Cerro Calvario’ (3966m) zu erklimmen. In ca. 20 Minuten sollte man den Gipfel erreichen und mit einem tollen Ausblick belohnt werden. Ein 20minütiger Fußmarsch klingt mal wieder nach einem Kinderspiel, jedoch ist in knapp 4000 Meter Höhe jeder Schritt doppelt anstrengend. Dennoch will man sich natürlich nichts anmerken lassen und kämpft sich bis zur Spitze durch. Der Ausblick auf den Saphirblauen Titikakasee ist wirklich atemberaubend. Kleine Inseln zieren den See und in der Ferne lässt sich bereits Peru erahnen. Fantastisch! Auf dem Gipfel verharrend lernte ich einen lustigen Argentinier kennen, der an einen entflohenen Taliban erinnerte. Luis (so sein Name) reist ebenfalls durch Südamerika, verkauft Armringe und Kettchen in der Strasse und entzückt mit seinem extravaganten Aussehen. Ja, ein wuseliger Bart, lange Dreadlocks und ein eigenwilliger Kleidungsstil mögen den guten Luis schnell in einer Schublade verschwinden lassen (Zaunpfahlwink!!!), war er aber ein Bombenbengel und wir haben bei unserer spanisch-deutsch-argentinischen Konversation gut gelacht. Unser geschossenes ‘Taliban-attackiert-Deutschen-Urlauber’ Foto ist auf jeden Fall sehenswert!
Am Folgetag ging es mit Anna, Bre, Cole und Mark mittels eines kleinen Bootes zur berühmten Inka-Insel, der ‘Isla del Sol’ um die sich darauf befindenden Inka-Ruinen zu besuchen und zu bewundern.
Leider erreichte uns bei unserer Ankunft in Copacabana die Nachricht eines Erdbebens in Concepcion in Chile. Die Stärke betrug 8,8 auf der Richterskala und das Epizentrum befand sich vor der Küste Chiles. Besonders Concepcion wurde schwer getroffen und die Fernsehbilder und Berichte aus den Medien waren einfach nur furchtbar. Dies schockiert nicht nur, da man vor nicht einmal 4 Wochen vor Ort war, sondern besonders, da Sebastian und Eva-Maria, meine lieben Gefährten unserer gemeinsamen Patagonien-Odyssee, dort wohnen. Da sich ihre Wohnungen im 17. und 18. Stockwerk eines Wohnhauses befinden und sich das Erdbeben um 3 Uhr nachts ereignete, lässt dies natürlich das schlimmste befürchten. Versuche, die beiden per Email oder Telefon zu kontaktieren, blieben erfolglos und somit konnte ich nur abwarten und hoffen, dass sie sich in Sicherheit befinden. Glücklicherweise erfuhr ich 2 Tage nach dem Beben von Eva-Marias Schwester, dass es den beiden den Umständen entsprechend gut geht, sie unverletzt sind und sie momentan bei Freunden untergekommen sind. Alles Gute an Sebastian und Eva-Maria an dieser Stelle!
01.03.2010 - Isla del Sol / Bolivien - auf dem Titikakasee!
Mit dem Boot und meinen neuen lustigen Gefährten ging es also zur ‘Isla del Sol’. Das Boot setzte uns dabei an der Nordseite der Insel ab. Dort wollten wir den Tag über frisch, fromm, fröhlich, frei gen Süden, vorbei an Ruinen und Bergen, wandern. Am Südpunkt der Insel würden wir ein nettes Quartier beziehen, um am nächsten Tag wieder nach Copacabana zurückzuschippern.
Die ‘Insel der Sonne’ ist anscheinend der legendäre Ort, an dem die Inka-Kultur erschaffen, und der Inkamythologie zufolge sogar die Sonne geboren, wurde. Hier trafen der bärtige weiße Gott Viracocha und die ersten Inka, Manco Capac und seine Schwester-Gemahlin Mama Huaca aufeinander. Is klar ne! Auf jeden Fall trafen sich hier einst die ersten Inkas und beschlossen einen Indianerstamm zu gründen und Tempel zu bauen und in die Sterne zu schauen und so.
Nach unserer Ankunft auf der Insel stellte sich zunächst ein starkes Unwetter ein, was so schnell auch nicht vorüber gehen sollte. Abwartend und ein klitze kleines, mit bloßem Auge gar nicht auffindbares Museum besuchend, entschlossen wir uns also trotz des Regens loszuwandern. Die Inkas waren schließlich auch nicht zimperlich! Als es losging, hatten wir 60% unserer Gruppe bereits eingebüßt, Bre, Cole und Anna waren abhanden gekommen und nicht auffindbar. Mark und ich wanderten also allein los und erreichten unser erstes Etappenziel, die Ruinen ‘Chincana’, nach einer knappen Stunde. Vergessen wir Machu Picchu und Angkor Wat, das sind definitiv die spektakulärsten Ruinen diesseits der Weltkugel. Hmmm, war natürlich nur Spaß, denn die Ruinen waren überschaubar und wären sie nicht als Inka-Ruinen ausgewiesen, hätte man sie glatt übersehen. Eine nette Einheimische erklärte mir jedoch recht ausführlich, dass die hohen Inka-Priester hier einst ihre Zeremonien abhielten und wichtige Entscheidungen berieten und trafen. Das war auf jeden Fall sehr nett von ihr und überaus interessant!
Leider war meine Laune aufgrund des schlechten Wetters und der etwas enttäuschenden Umgebung anfangs etwas, sagen wir mal vorsichtig, ‘unterirdisch‘. Im Laufe des Tages sollte sich das aber bessern. Dies hatte sicherlich mit dem schlagartig besser werdenden Wetter zu tun, aber auch damit, dass wir unsere verlorenen gegangenen Gefährten wieder trafen. Sie waren doch vom rechten Pfad abgekommen (ein echtes Kunststück auf dieser Insel) und hatten die Ruinen verpasst. Leider waren diese nun schon 60 Minuten Fußmarsch hinter uns, dennoch empfahl ich ihnen wärmstens, den Weg zurück zu laufen um diese spektakulären Inka-Bauwerke in ihrer vollen Pracht zu bewundern. Sie würden es mir schließlich danken! Hehe…
Mark und ich liefen also weiter Richtung Norden und trotz der großen Höhe (über 4000 Meter) kamen wir gut voran. Die immer stärker werdende Sonne ließ die Insel und die Umgebung in tollen Farben erstrahlen und meine Laune besserte sich nicht nur, nein, sie erreichte bald einen neuen positiven Höhepunkt. Während wir also über die Insel wanderten, begann ich auffällig oft wie Jack (Nicht-LOST-Fans, bzw. Unwissende mögen diesen Teil bitte überlesen) aus der Mysterie Serie ‘LOST’ zu reden (‘We have to go back to the island’, ‘We have to find our friends’, ‘The Others are coming’). Zu meiner Verteidigung ist anzumerken, dass mein Weggefährte Mark doch ein wenig an John Locke aus der eben genannten TV-Serie erinnerte. Mark ist eingefleischter FC Everton Fan und erzählte mir mit Begeisterung, wie man 1985 den FC Bayern München um Lothar Mattäus aus dem UEFA-Cup beförderte (0:0 in München und 3:1 in Everton). Ja, da hörte ich natürlich gern und angespannt zu.
Nach unserer Ankunft in Yumani, dem Dorf am südlichsten Punkt der Insel, checkten wir in ein nettes Hostel ein und besuchten eine weitere legendäre Inka-Ruine. ’Pilku Kaina’ war noch ‘spektakulärer’ als die erste Ruine, aber egal. Wir waren da und haben sie besucht. Unsere Gefährten waren noch nicht angekommen und ich befürchtete, sie hätten aufgegeben und das Boot zurück nach Copacabana genommen. Zum Abendbrot wollte ich mir eine Forelle aus dem Titikakasee genehmigen, ist dies doch hier ein sehr typisches Gericht. Der lange anstrengende Marsch über die Insel war aber nichts gegen die Herausforderung, die uns jetzt bevorstand. Auf meinen Tee musste ich geschlagene 30 Minuten warten (Wasser kochen ist nicht ohne), unsere Suppe sollte weitere 30 Minuten in Anspruch nehmen (also insgesamt 60 Minuten). Die erneuten 60 Minuten, die wir auf den Hauptgang warteten, vergingen dagegen wie im Flug, wusste man ja inzwischen, dass es etwas länger dauert. Insgesamt also 2 Stunden! Ja, das hängt wahrscheinlich mit der Höhenlage zusammen, da soll man es ja etwas ruhiger angehen lassen. Die Restaurantbesitzer ließen es wirklich sehr ruhig angehen. Aber was lange währt, wird gut, denn die Forelle war super-lecker!
Die Rückfahrt mit dem Boot war wieder sehr witzig, sahen wir doch verschiedene Wanderer wieder, die man vorher auf der Insel verstreut kennengelernt hatte. Ja, eine Bootsfahrt, die ist lustig! An Bord trafen wir auch unsere verlorenen Inselwanderer Bre, Cole und Anna wieder. Überraschenderweise waren sie gar nicht böse, dass ich sie 60 Minuten zu den bedingt interessanten Inka-Ruinen geschickt hatte. Na geht doch! Abschließend bemerkten wir alle unsere neue gesunde Gesichtsfarbe, die wir uns auf 4000 Meter Höhe angeeignet hatten. Tolle Wurst!
Am Nachmittag traf ich Mark und unsere Kanadier wieder und wir tranken warme Milch. Das war toll! Die beiden Kanadier aus Vancouver waren bester Laune, hatten sie doch gerade erfahren, dass Kanada bei den Olympischen Winterspielen den großen Rivalen USA im Kampf um die Goldmedaille spektakulär geschlagen hatten. Ich kann das natürlich nachvollziehen und so verbrachten wir den Nachmittag in einer illustren Runde. Überraschenderweise hatten wir viele gemeinsame Themen wie Sport, Wrestling, Star Trek, Anna Kurnikova, dem A-Team und warmer Milch. Ach war das lustig!